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UWE: 
Als ich Uwe zum ersten Mal sah, spielte er Tamburin. Klopfte auf allem herum und spielte Gitarre und sang. Lautlos. Mittendrin in einer belebten Einkaufsstrasse in Bruchsal an einem Samstag mittag im Mai.
Er war in seiner eigenen Welt. 
Ich wußte ihn nicht einzuschätzen, konnte sein Verhalten nicht recht einordnen.
Es hiess, er wäre gerade aus der Psychiatrie entlassen und hätte zuvor alleine auf der Strasse in Heidelberg gelebt.
Erst im Lauf der Zeit erfuhr ich seine Geschichte.
Und lernte einen Mann kennen, der mich immer wieder aufs Neue beeindruckt und beschäftigt.
Und so erzählte er mir davon, dass er der Sohn gehörloser Eltern wäre. Er selbst ist schon sehr früh fasziniert von Musik und wird Musiker. Jedoch ist die Kluft zwischen ihm und seinen Eltern unüberbrückbar. Er schafft es nicht, ihnen seine Welt näher zu bringen...
Wenn Uwe trinkt wird er "komisch".
Er redet die ganze Zeit, nicht wirr, sondern hoch konzentriert. Dabei ist es ihm vollkommen egal, ob man ihm zuhört, oder sich parallel mit anderen unterhält.
Als wir uns das erst Mal trafen, suchte er nach Körperkontakt. Nähe.
Ich erinnere mich nicht mehr genau, von was er sprach, aber seine Wortwahl war ausgesprochen intelligent und in Hinsicht auf seine seelische Verfassung sehr aussergewöhnlich.
Er redete ununterbrochen davon, wie froh er sei, endlich Menschen gefunden zu haben, die ihn so akzeptierten, wie er war. Das er sich wohl fühlte.*
Immer wieder ging er zu einzelnen Mitgliedern der Gruppe und bedankte sich.

UWE: 

When I met Uwe for the first time he played the tambourine. Then he knocked on everything he could possibly find and afterwards he played Guitar. Silently. Unhearable. Soft-footed… in the middle of a busy shopping promenade in Bruchsal, Germany on a Saturday in May 2014.

He was in his own world. 

At first I couldn’t assess his behavior and yes, I remember that it felt a little a little strange.
Others told me he just got out of psychiatric therapy and before that he had lived on his own in the streets of Heidelberg, Germany.
It took a while to get to know his story.…to get to know a personality who really was impressing and fascinating.
Once he told me that his parents are both deaf. He himself was interested in music at a very early age and decided to become a musican. But the gap between his passion for music and the inability of his parents to understand what his heart was beating for became bigger and bigger because they were worlds apart. I don’t know what else has happened, but somehow he was broken and started to create his own universe. - Silently.
He was talking steadily, not chaotic but rather highly concentrated.
When we met that first day he was looking for physical contact. Nearness.
I don’t quite remember what he was talking about, but the use of his words was highly intelligent and in regard of his emotional condition very remarkable.

Coyote

I met Coyote in late 2010 in the middle of a real cold winter night. There was only one candle burning in that drafty shed and therefore it was a very spooky situation. I didn’t know who he was and where he came from, nor if I could trust him. Suddenly out of the blue he said: „ Look Sylvie, I have to show you something really cool!“ And then he dug in the depth of his backpack and pulled some kind of a dagger out. He looked very proud, while my heart almost stopped...


In the meantime the image I have of him changed completely. I got to know him better as we talked a lot about the 26 years that he lived on the streets and also about that what they have done to him. Once I asked him: „Coyote, I bet you’ve grown up in a foster home…“ Deeply grieved he looked at me, then he went away. Soon he had came back and asked me with tears in his eyes: „Sylvie, how did you know that? I don’t talk about that. Never. Nobody gets this close to me.“ I replied:“ There you see, dear Coyote, some people know you much better then you think. But someone can sense if one has had a lack of security in his childhood and if he never enjoyed real closeness. If the other was only one thing his whole life: Lonely. But therefore you’ve come out great and developed into a wonderful person. Even… if you are such a weirdo who scares women in dark and cold nights with incredibly long knifes.“


Coyote lives on the streets since he is thirteen. 

Coyote:

Er begegnete mir zum ersten Mal 2010 mitten im Winter. Es brannte nur eine einzige Kerze im zugigen Verschlag und somit war es stockfinster...Plötzlich, aus heiterem Himmel sagte er: "Guck mal, Sylvie, ich zeig Dir jetzt mal was gaaaanz Tolles!" Und dann gruschtelte er in seinem Rucksack rum und zog plötzlich eine Art Dolch aus den Tiefen seines Gepäcks hervor.
Er war stolz wie Oskar, nur mir blieb fast das Herz stehen.
Inzwischen habe ich ein ganz neues Bild von ihm bekommen. Wir reden oft über die 26 Jahre, die er auf der Strasse verbracht hat und auch über das, was sie aus ihm gemacht haben.
Einmal fragte ich ihn: „Coyote, Du bist doch sicherlich im Heim aufgewachsen." Da sah er mich an mit diesem waidwunden Blick und rannte davon. Kurze Zeit später kam er dann zurück und fragte mit Tränen in den Augen: "Sylvie, woher hast Du das gewusst? Bis jetzt weiss das kein Mensch. Niemand kommt so nah an mich dran. Ich erzähle das nie. Niemand weiss das und ich hab noch nie jemand davon erzählt“.
Und da erwiderte ich:" Siehste mal, manch einer kennt Dich besser, als Du glaubst...Aber man spürt, wenn jemand nie echte, richtige Geborgenheit kennengelernt hat. Nie eine Mutter hatte, bei der man auf dem Schoß sitzen durfte. Wenn jemand sein ganzes Leben nur eins war: Nämlich allein. Und dafür hast Du dich zu einer verdammt grossartigen Persönlichkeit entwickelt. Auch, wenn Du so ein Spinner bist, der in stockfinsterer Nacht Frauen mit ellenlangen Messern erschreckst."
Koyote lebt seit seinem 13.Lebensjahr auf der Strasse.

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